Ernst Brandl
Ernst Brandl ist Landwirt im zweiten Bildungsweg. Nach vielen Jahren als Anwalt entschied er sich für einen Neuanfang, reduzierte seine anwaltliche Tätigkeit und begann im Waldviertel mit der Imkerei und dem Aufbau eines Betriebs mit Schwerpunkt auf Naturschutz und Landwirtschaft. Auslöser war eine prägende Erfahrung am Anfang seiner imkerlichen Tätigkeit: Er verlor seine ersten Bienenvölker während der Rapsblüte, nachdem in der Nähe ein Rapsfeld tagsüber – also bei Flugbetrieb der Bienen – gegen den Rapsglanzkäfer mit einem Insektizid behandelt wurde. Dieser Verlust machte ihm schlagartig klar, was Pflanzenschutzmittel in der Praxis bedeuten können: Sie treffen nicht „nur Schädlinge“, sondern auch Bestäuber und damit die Basis ganzer Nahrungsketten.
Seither verfolgt Brandl konsequent ein Ziel: pestizidfreie Landwirtschaft und das Schaffen von Rückzugsorten für Insekten und Tiere, die sich von Insekten ernähren. Er bewirtschaftet eigene Flächen und arbeitet mit Partnerbetrieben zusammen. Insgesamt wurden so rund 150 ha von Pestiziden befreit – teils durch Kauf, Pacht oder Kooperationen mit Landwirt*innen. Auf den Flächen entstehen vielfältige Blühangebote (u. a. Phacelia, Kleearten, Sonnenblumen), ergänzt durch dauerhafte Strukturelemente. Allein in der Miëlo-Oase in Krumau wurden rund 2.000 Bäume und 6.000 Sträucher gepflanzt.
Die Imkerei ist dabei nicht nur Teil des Betriebs, sondern auch der Finanzierungshebel: Die Bienen sammeln im Flugkreis auch außerhalb der Oasen; der Honig wird daher nicht als „Honig ausschließlich aus pestizidfreien Flächen“ verstanden, sondern als Mittel, um den Anteil pestizidfreier Flächen im Fluggebiet Schritt für Schritt zu erhöhen. Der Verkauf der Miëlo-Produkte deckt die Gesamtkosten des Projekts – von der Imkerei bis zur Landschaftspflege. Honig im Glas wird so zu Biodiversität am Feld.


