Bauernhofspaziergang bei Silvia Fruhmann

22.8.2026, 15:00 bis 18:00 Uhr:
Was summt und brummt im Blühstreifen?
Am Hof von Silvia Fruhmann, 7372 Karl;
Zufahrt über die Hochfeldstraße (beim Feuerwehrhaus abbiegen), siehe Beschreibung unten zum Download
Silvia Fruhmann zeigt den Teilnehmer*innen, wie vielfältiger Gemüseanbau und Biodiversität am Bauernhof zusammenspielen. Rund um ihre Felder entstehen wertvolle Lebensräume durch Blühstreifen, Mehrnutzungshecken und Lesesteinhaufen. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf die Bedeutung von grüner Infrastruktur in der Agrarlandschaft und erfahren, wie Kooperationen mit der Jägerschaft und benachbarten Betrieben die Biodiversität zusätzlich fördern können. Beim Spaziergang entdecken wir, welche Insekten sich in Blühstreifen tummeln, warum strukturreiche Landschaften wichtig sind und wie Gemüsebau im Einklang mit der Natur funktionieren kann.
Begleitet wird der Bauernhofspaziergang von Entomologin Kathi Pospisil sowie einer Vertreterin des Jugend-Biodiversitätsnetzwerk.
So kommst du zum Hof von Silvia Fruhmann (Download pdf Datei)
Zum Nachlesen
Nach einem stimmungsvollen Empfang mit Zierharmonikabegleitung und einer kleinen Stärkung startete der Bauernhofspaziergang bei Biodiversitätsbotschafterin Silvia Fruhmann mit einer spannenden Podiumsrunde. Jäger Wolfgang Seidl vom Verein Karler Jäger, Entomologin Katharina Pospisil und Anna Planitzer vom Österreichischen Jugendbiodiversitätsnetzwerk diskutierten, nach einer kurzen Vorstellung des Projekts Farming for Nature, aktuelle Fragen rund um Insektensterben, Biodiversitätsschutz und die Bedeutung grüner Infrastruktur.
Die Fragen von Moderatorin Sabine Hammer verbanden die unterschiedlichen Perspektiven auf Biodiversität und Naturschutz und machten deutlich, dass intakte Lebensräume nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich von großer Bedeutung sind. Vor allem wurde deutlich, wie viel erreicht werden kann, wenn Menschen ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit dem Verein Karler Jäger, der aktiv die Förderung und Erhaltung der Artenvielfalt betreibt. Silvia, selbst Jägerin im Ort, engagiert sich gemeinsam mit dem Verein für eine bessere Lebensraumvernetzung und setzt sich damit über die Grenzen ihres eigenen Betriebs hinaus für mehr Biodiversität ein. Dafür wurden mehrere Flächen gepachtet, auf denen gezielt Maßnahmen wie die Anlage von Bienenweiden umgesetzt werden, erzählte sie.



Vielfalt als Anpassung und Absicherung
Nach dem kurzen Spaziergang zum Gemüsefeld startete Silvia die Führung mit Einblicken in die Grundpfeiler ihrer Bewirtschaftungsphilosophie. Ein zentraler Grundsatz ist, den Boden möglichst ganzjährig bedeckt zu halten, etwa durch Mulch aus Luzerne, Untersaaten oder eine direkte Begrünung nach der Ernte. Das schützt vor Erosion, hält Feuchtigkeit im Boden und fördert das Bodenleben.
Wie wichtig diese Maßnahmen angesichts zunehmender Trockenperioden durch den Klimawandel sind, wurde an diesem Nachmittag besonders deutlich. Die Begrünung auf einem Anbaustreifen war aufgrund der Dürre heuer nicht aufgegangen und der Boden lag damit ungeschützt offen. Auch die einjährigen Blühstreifen zwischen den Gemüsereihen, die Silvia sonst als wichtigen Beitrag zur Lebensraumvernetzung einsetzt, konnten sich heuer nicht etablieren. Umso schöner war der mehrjährige Blühstreifen, den wir in voller Pracht bewundern konnten.
Doch nicht nur die Gestaltung der Anbauflächen, auch die Vielfalt der Kulturen ist für Silvia ein wichtiger Baustein, um mit den zunehmenden Wetterextremen umzugehen. Rund 40 verschiedene Gemüsearten wachsen übers Jahr auf ihren Flächen. Fällt eine Kultur aufgrund schwieriger Bedingungen, wie der diesjährigen Rekorddürre aus, ist dadurch nicht gleich die gesamte Ernte betroffen. Vielfalt wird so zu einer Form der Absicherung und zu einem wichtigen Werkzeug in der Anpassung an den Klimawandel.



Lebensräume schaffen
Anschließend ging es in zwei Gruppen zu zwei verschiedenen Stationen. Eine davon war die von Silvia gemeinsam mit dem Verein Karler Jäger angelegte Bienenweide auf einer schmalen Ackerfläche. Rund 70 Pflanzenarten wachsen auf der Fläche, darunter Malven, Margeriten, Disteln, Ringelblumen, Steinklee uvm. Silvia berichtete über die Anlage, die anfänglich starke Verunkrautung, die Pflegeauflagen und Ziele des Lebensraums Bienenweide. Bei der gemeinsamen Entdeckung der Pflanzenwelt begegneten uns unter anderem Schafgarbe, Wilde Möhre, eine wichtige Futterpflanze für die Raupen des Schwalbenschwanzes, Färberkamille, Nachtkerze und eine Mohnkapsel. Auffällig war, wie gut sich gerade trockenheitsverträgliche Arten behaupteten.



Die faszinierende Welt der Insekten
An der zweiten Station, dem mehrjährigen Blühstreifen mit Kräutern und Stauden, nahm uns Entomologin Katharina Pospisil mit in die Welt der Insekten. Sie erklärte, welche Aufgaben Insekten in unseren Ökosystemen und für die Landwirtschaft erfüllen. Sie bestäuben Pflanzen, zersetzen organisches Material und sind ein wichtiger Bestandteil der Nahrungskette, etwa als Nahrungsgrundlage für Schwalben als typische Bauernhofvögel.
Mit Bechergläsern ausgestattet, ging es danach direkt in den Blühstreifen. Was auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirkte, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als vielfältiger Lebensraum. In kurzer Zeit wurden unter anderem Tintenfleck Weißling, Holzbiene, Distelfalter, verschiedene Heuschrecken, Zikaden und eine Feuerwanze entdeckt.
Katharina erklärte auch die Unterschiede zwischen Honigbienen und Wildbienen und machte deutlich, wie unterschiedlich deren Lebensweisen und Ansprüche sind. Während Honigbienen als landwirtschaftliche Nutztiere in Völkern leben, führen Wildbienen meist ein solitäres Leben und sind oft nur wenige Wochen aktiv. Diese unterschiedlichen Lebensweisen bringen auch unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum mit sich. Deshalb braucht es möglichst vielfältige und strukturreiche Flächen, die verschiedenen Arten passende Nahrungs- und Nistmöglichkeiten bieten. Dazu gehören offene Bodenstellen, markhaltige Stängel ebenso wie geeignete künstliche Nistmöglichkeiten.
Als Faustregel gilt: Je vielfältiger und strukturreicher ein Lebensraum ist, desto mehr unterschiedliche Arten können darin ihren Platz finden.



Miteinander verbindet

Der Bauernhofspaziergang hat eindrucksvoll gezeigt, dass grüne Infrastruktur mehr ist als die Summe einzelner Blühstreifen oder Hecken. Es geht darum, Lebensräume zu schaffen, miteinander zu vernetzen und gemeinsam Verantwortung für deren Erhalt zu übernehmen.
Genauso wichtig ist dabei die Verbindung zwischen den Menschen. Die Kooperation zwischen Landwirtschaft, Jagd, Naturschutz und Wissenschaft zeigt, was möglich wird, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Nach den vielen Eindrücken und Gesprächen kehrten wir schließlich auf den Hof zurück. Dort überraschte uns Silvias Familie mit einer liebevoll gedeckten Tafel.
Bei Zucchini- und Wildschweinragout auf Bio-Nudeln wurde noch bis in den Abend hinein gemeinsam gegessen, gelacht und diskutiert. So klang ein Nachmittag aus, der Verbindungen geschaffen und gezeigt hat, wie wichtig ein Miteinander von Menschen, Landwirtschaft und Natur ist.