Bauernhof-Spaziergang bei Johann Schauer

13.6.2025, 14:00 bis 17:00 Uhr:
Lebensräume gestalten am Bauernhof - Wie integriere ich Elemente der Vielfalt auf meinem Betrieb
Am Hof von Johann Schauer, Au bei Natternbach 3, 4723 Natternbach
BIO-Bauer und Biodiversitäts-Botschafter Johann Schauer hat über seinen Hof geführt und erzählt, wie er mit wenig Aufwand viel für die Vielfalt erreicht. Auf seinem 80 ha großen Rindermastbetrieb hat er gemeinsam mit seiner Partnerin einen Teich angelegt, Hecken und Bäume gepflanzt und entlang von Wegen und Feldrändern zahlreiche Blühflächen angesät.
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Bei strahlendem Sonnenschein fand am Freitag, dem 13. Juni 2025, der Bauernhof-Spaziergang bei Bio-Landwirt und Biodiversitätsbotschafter Johann Schauer in Natternbach statt. Am Nachmittag begrüßte Johann 16 interessierte TeilnehmerInnen auf seinem Betrieb. Nach einer kurzen Vorstellung des Projekts Farming for Nature Österreich durch Sabine vom Bioverband Erde & Saat übernahm er das Wort und führte durch seine vielfältig gestalteten Flächen und gab den TeilnehmerInnen viele praxisnahe Einblicke in seine Bewirtschaftungsweise.



Ausgangspunkt der Begehung war der zentral angelegte Naturteich, der 2021 am Hof errichtet wurde. Er zeigt eindrucksvoll, wie mit einfachen Mitteln neue Lebensräume entstehen können. Zudem befinden sich rund um das Gewässer Blühflächen, Biotopholzstrukturen und eine neu errichtete Reptilienburg – wertvolle Rückzugsorte und Trittsteinbiotope für Bestäuber, Insekten und Kleintiere. „Mit dem Teich ist ein Lebensraum entstanden, den es vorher nicht gab. Davon profitieren nicht nur Tiere und Vögel wie die Schwalben – auch wir selbst genießen an heißen Tagen den Sprung ins kühle Wasser. Und der Blick vom Hof auf den Teich ist jeden Tag aufs Neue eine Freude für uns“, erzählt Johann. Er beschreibt auch die Planungs- und Entstehungsarbeiten des Teichs und hebt hervor, wie pflegeleicht er heute ist. Die zahlreichen Nützlinge im Wasser – etwa Schlammschnecken – tragen zur natürlichen Reinigung bei. So bleibt das Wasser klar und einer übermäßigen Algenbildung wird wirksam vorgebeugt.
Anschließend führte der Weg zur Wildgehölzhecke mit typischen, regionalen Arten wie Holunder, Sanddorn und Schneeball sowie entlang des Waldrands. Dort wurden gemeinsam mehrere Blüh- und Biodiversitätsflächen besichtigt. Johann setzt bei der Anlage seiner Biodiversitätsflächen auch auf selbst zusammengestellte Saatgutmischungen und probiert auch gerne etwas aus. So scheut er sich nicht, etwa Fenchel oder 10 % Sudangras einzumischen. Durch die unterschiedliche Anlagezeit der Flächen (Flächenanlage im April und Mai) ist der Einfluss des Saatzeitpunkts direkt erkennbar: Blühverlauf und Artenzusammensetzung entwickeln sich deutlich unterschiedlich.



Ein zentrales Thema ist auch die Pflege der Blühflächen: Damit sie langfristig bunt und artenreich bleiben, kommt es vor allem auf den richtigen Mähzeitpunkt an – etwa erst nach dem Abblühen der Margeriten – sowie auf den konsequenten Abtransport des Mähguts. Dieses bleibt auf dem Betrieb und wird als Teil der grasbetonten Rinderfütterung genutzt und somit sinnvoll in den betrieblichen Kreislauf eingebunden. Für die Entwicklung von artenreichen Magerwiesen ist außerdem entscheidend, dass diese Flächen nur mäßig bis gar nicht gedüngt werden. Johann nutzt für die Düngung daher gezielt andere Flächen, die intensiver bewirtschaftet und regelmäßig gedüngt werden. Dieses System des abgestuften Wiesenbaus, das von naturnahen Extensivflächen bis zu intensiv genutztem Grünland inkl. Kurzrasenweide reicht, bringt auf seinem Betrieb ökologische Vielfalt und wirtschaftliche Stabilität in Einklang.
Ein weiterer Punkt: Es gibt auf beinahe jedem Betrieb Flächenabschnitte – Ackerrandstreifen, Steilhänge, Weg- oder Waldränder – die in der Bearbeitung ohnehin aufwendig oder unpraktisch sind. Diese gezielt der Natur zur Verfügung zu stellen, kann nicht nur wertvollen Lebensraum schaffen, sondern auch Arbeit erleichtern. So lässt Johann etwa beim Maisanbau bewusst kleine übrige Flächen als Blühstreifen stehen, wenn durch die vorhandenen Maschinen ohnehin nur sechstreihig geerntet werden kann. Auch solche kleinen „Zipfel“ können viel bewirken.
Mit einigen Flächen ist Johann auch Teil der ÖPUL Maßnahme „Ergebnisorientierte Bewirtschaftungsweise“ (EBW - Webseite https://www.ebw-oepul.at/) und so erklärte er während des Rundgangs, wie diese Maßnahme für ihn funktioniert und optimal in sein Konzept passt. Welche Ziele mit dem Naturschutz vereinbart wurden und wie die Dokumentation abläuft.
Abschließend führte uns der Bauernhof-Spaziergang entlang der diesjährigen Erbsen-Getreide-Mischkultur und einer neu gepflanzten Baumreihe zurück zum Hof. Besonders erwähnenswert: Bei der Anlage der Baumreihe wurde ein drei Meter breiter Blühstreifen mitgedacht – maschinell gut zu bearbeiten, optisch ein Blickfang und an heißen Tagen ein willkommener Schattenspender. Die Baumreihe ist aber nicht nur ein Gewinn für die Artenvielfalt und das Landschaftsbild, sondern auch eine Investition in die Zukunft: Sie wird künftigen Generationen als Erosionsschutz, Lebensraum und natürlicher Wasserspeicher dienen.



Zurück am Hof erwartete die TeilnehmerInnen eine köstliche Jause mit frisch gebackenem Brot und herzhaftem Rinderschinken – ein genussvoller Ausklang eines informativen Nachmittags. In entspannter Runde wurde weiter diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Bevor die Gäste die Heimreise antraten, bot sich noch die Gelegenheit im Hofladen vorbeizuschauen. Und ein kleiner Tipp für alle, die wiederkommen möchten: Jeden Freitag gibt es am Biogut Dornetshub – Hof der Vielfalt – ofenfrisches Brot. Ein Besuch lohnt sich!