Bauernhofspaziergang bei Carmen Petutschnig-Erschen

13.8.2026, 9:00 bis 13:00 Uhr:
Biodiversität im Vollerwerb - Geht das?
Am Hof von Carmen und Andreas Petutschnig-Erschen, St. Stefan 44, 9142 Globasnitz
Milchziegen, Strohschweine, vielfältiger Ackerbau und Grünland – am Betrieb von Carmen und Andreas Petutschnig-Erschen wird deutlich, dass auch ein großer Vollerwerbsbetrieb einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leisten kann. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen haben wir erkundet, wie moderne Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen können.
Beim Bauernhof-Spaziergang besuchten wir die Ziegen und Strohschweine, warfen einen Blick auf die vielfältigen Ackerflächen und erfuhren, wie Untersaaten, Begrünungen und extensiv bewirtschaftete Naturschutzflächen die Artenvielfalt fördern. Carmen und Andreas zeigen anhand ihres Betriebs, wie hochwertige Lebensmittel produziert und gleichzeitig Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen werden können – ganz nach dem Motto: Die Landwirtschaft nimmt von der Natur, gibt ihr aber auch wieder etwas zurück.
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Rund 20 Teilnehmerinnen folgten am 13. August der Einladung von Carmen und Andreas Petutschnig zum Bauernhof-Spaziergang am Bio Windischhof in Globasnitz. Zwischen Ziegenstall, Schweinehaltung, Pilzzucht und Ackerflächen wurde eine zentrale Frage sichtbar: Wie lassen sich im Vollerwerb hochwertige Lebensmittel produzieren und gleichzeitig Natur, Boden und Artenvielfalt fördern?
Sabine Postlmayr vom Bioverband Erde & Saat stellte das Projekt Farming for Nature vor und gratulierte Carmen zur Auszeichnung als Biodiversitätsbotschafterin: „Hochwertige Lebensmittel zu produzieren und gleichzeitig auf die Natur und ihre Lebensräume zu achten, verdient Aufmerksamkeit und gehört vor den Vorhang geholt. Umso mehr freut es uns, dass die Farming for Nature-Jury heuer Carmen als Biodiversitätsbotschafterin ausgezeichnet hat.“
Auch Paula Henzl vom Verein ORTOLANdschaftspflege war zu Gast. Sie erinnerte daran, dass Naturschutz nur gemeinsam mit der Landwirtschaft gelingen kann. Der Naturschutzverein engagiert sich unter anderem für die Pflege wertvoller Trockenrasen, die Schaffung von Biodiversitätsoasen in der Weinbauregion Kremstal sowie für Insektentrinkstellen in Wien. „Naturschutz kann aber nur gemeinsam gelingen. Wir brauchen die Landwirtinnen und Landwirte als Partner, denn sie gestalten und bewirtschaften jene Landschaft, in der Artenvielfalt stattfinden soll.“ erklärte Paula Henzl.
Am Bio-Hof Windisch wird deutlich, wie vielfältig diese Gestaltung aussehen kann.
Von der Hofübernahme zur vielfältigen Landwirtschaft
2019 übernahmen Carmen und Andreas den damals stillgelegten Hof außerfamiliär. Aus rund zehn Hektar Eigengrund und einem alten Rinderstall entwickelte sich inzwischen ein Betrieb mit rund 100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Zunächst setzten die beiden auf Ziegenhaltung. Mit Beginn der Corona-Pandemie brach jedoch die geplante Vermarktung der Ziegenmilch über eine Molkerei weg. Die Lösung: Direktvermarktung. Heute wird die gesamte Milch direkt am Hof verarbeitet – zu Milch, Topfen und Weichkäse.
Pinzgauer Gebirgsziegen: Vielfalt auch im Stall
Die erste Station führte in den Ziegenstall mit rund 200 Tieren. Neben Saanen- und Toggenburger Ziegen hält der Betrieb auch die seltene Pinzgauer Gebirgsziege.
„Die Pinzgauer Gebirgsziege ist eine besonders robuste und wunderschöne Nutztierrasse. Mittlerweile gibt es nur mehr um die 1.000 Tiere. Für uns ist es eine Herzensangelegenheit, zum Erhalt dieser besonderen Rasse beizutragen“, erzählt Carmen.
Die Ziegen müssen keine Höchstleistungen erbringen. Sie werden zweimal täglich gemolken und ausschließlich mit eigenem Bio-Heu gefüttert. Auf Silage verzichtet der Betrieb vollständig. Auch bei der Aufzucht gehen Carmen und Andreas ihren eigenen Weg: Die Kitze bleiben bis zu zwei Monate bei ihren Müttern – insbesondere bei den Pinzgauer Gebirgsziegen wird der ausgeprägte Mutterinstinkt bewusst genutzt.



Almwirtschaft unter Druck
Heuer bleiben die Ziegen erstmals auch im Sommer am Hof. Neben der wachsenden Herausforderung durch den Wolf bereiten Krankheiten wie Blauzunge und Magen-Darm-Erkrankungen Sorgen. „Wir wissen nicht, wie sich die Situation weiterentwickelt und ob es für unsere Ziegen in Zukunft noch möglich sein wird, die Sommermonate auf der Alm zu verbringen“, erzählen Carmen und Andreas. Dabei wäre die Alm für sie eigentlich ein idealer, natürlicher Futterplatz mit einer großen Vielfalt an Gräsern und Kräutern. Und auch die Alm selbst ist auf die Bewirtschaftung angewiesen.
Bio-Strohschweine: ruhig, robust und im Kreislauf des Hofes
Seit 2024 gibt es am Hof neben der Ziegenhaltung auch einen Bio-Zucht- und Mastschweinestall. Die Idee für den Neubau entstand nach einem Sturm: Das dabei angefallene Holz wurde direkt für den Stall verwendet. Heute leben dort rund 100 Schweine in Gruppen auf Stroh. Der Stall bietet viel Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten – und vor allem fällt die Ruhe der Tiere auf.
Der Betrieb ist mittlerweile weitgehend geschlossen aufgebaut: Von den Muttersauen über die Ferkel bis zu den Mastschweinen bleibt alles am Hof. Das Futter wird aus den eigenen Ackerfrüchten selbst gemischt. Vermarktet werden die Schweine über die Bioschwein Austria VertriebsgmbH.
Austernpilze aus der ehemaligen Kornkammer
Eine weitere Überraschung wartet in der ehemaligen Kornkammer: Dort werden heute Austernpilze, Kräuterseitlinge und Shiitake kultiviert. In einem klimatisierten Raum werden die zugekauften Substratblöcke unter kontrollierten Bedingungen zum Fruchten gebracht.
Und auch hier bleibt möglichst wenig ungenutzt: Nach der Pilzernte kommen die Substratsäcke zu den Schweinen – als Futter- und Beschäftigungsmaterial. Die Kreislaufwirtschaft zieht sich durch den gesamten Betrieb. Die bei der Käseherstellung anfallende Molke landet im Schweinetrog, der Mist der Tiere versorgt wiederum die Böden mit Nährstoffen. Das Futter für die Tiere wird weitgehend selbst erzeugt.



Vielfalt auf dem Acker
Auf den Äckern wachsen unter anderem Weizen, Roggen und Triticale, teilweise in Mischkultur mit Wicke oder Peluschke. Dazu kommen Lein, Leindotter, Kürbis und Sonnenblumen. Vielfalt ist dabei nicht nur ein Produktionsziel, sondern auch eine wichtige Grundlage für die Biodiversität. Vielfältige Fruchtfolgen, Untersaaten und Begrünungen sorgen für Struktur und halten den Boden möglichst lange bedeckt.
Bei der abschließenden Felder-Tour konnten die Teilnehmerinnen verschiedene Anbauversuche besichtigen. Auf einer Sojafläche etwa wächst Klee als Untersaat. Nach der Sojaernte bekommt der Klee Licht und Platz und bedeckt den Boden weiter. Andreas erklärt: „Auch wenn heuer deutlich weniger Niederschlag gefallen ist, ist der Klee gut aufgegangen. Sobald der Soja geerntet ist, bekommt er Licht und Platz und kann sich richtig gut entwickeln. So bleibt der Boden bedeckt und wir nutzen die Fläche auch nach der Hauptkultur weiter.“
Besonders spannend war auch die Mischkultur aus Bio-Mais und Käferbohnen. Beide Kulturen werden gemeinsam geerntet und anschließend getrennt.
Auf einer weiteren Fläche zeigte sich Sudangras als robuste Kultur für die zunehmend heißen und trockenen Bedingungen. „Wir werden uns überlegen müssen, welche Kulturen auch mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen. Sudangras hat heuer gezeigt, dass es mit diesen Bedingungen gut umgehen kann. Jetzt hoffen wir nur noch, dass es auch unseren Ziegen schmeckt“, sagt Andreas.



Lernen, ausprobieren, weiterentwickeln
Carmen und Andreas sehen ihren Betrieb als laufenden Entwicklungsprozess. Carmen ist Quereinsteigerin und hat sich vieles – von Tiergesundheit über Direktvermarktung bis zur Schweinehaltung – durch Kurse und Weiterbildung selbst erarbeitet. Andreas absolvierte unter anderem die Ausbildung zum Bodenpraktiker.
Der Bio-Hof Windisch zeigt, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb viele Wege verbinden kann: Ziegenhaltung, Milchverarbeitung, Schweinehaltung, Pilzzucht, Ackerbau und Waldwirtschaft greifen ineinander. Biodiversität ist dabei kein einzelnes Projekt, sondern Teil einer vielfältigen Bewirtschaftungsweise. Und genau darin liegt eine wichtige Botschaft des Bauernhof-Spaziergangs: Landwirtschaft nimmt von der Natur – aber sie kann ihr auch etwas zurückgeben.
Wer den Betrieb und seine Produkte kennenlernen möchte, kann im Hofladen vorbeischauen. Dort gibt es Ziegenmilchprodukte, frische und eingelegte Pilze sowie hochwertige Öle aus eigener Produktion.
Hinweise und wichtige Links: