Bauernhofspaziergang bei Irene Lüdemann

19.7.2026, 9:00 bis 13:00 Uhr:
Agroforst als Antwort auf den Klimawandel
Am Hof von Irene Lüdemann, 3533 Friedersbach 159
Irene Lüdemann bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Mann einen Ackerbau-Betrieb mit großer Vielfalt und besonderem Augenmerk auf bodenschonende Landwirtschaft. Neben seltenen Getreide-Raritäten spielen Agroforstsysteme, Mehrnutzungshecken und gemähte Ackerraine eine zentrale Rolle auf ihrem Hof. Beim Bauernhof-Spaziergang erfuhren die Teilnehmer*innen, wie Gehölze und Ackerkulturen sinnvoll kombiniert werden können und welchen Beitrag sie für Bodenfruchtbarkeit, Klimaschutz und Artenvielfalt leisten.
Gemeinsam besuchten wir die Agroforstflächen und Mehrnutzungshecken des Betriebs und sprachen über deren Pflege und Nutzen in der Praxis. Auch bodenschonende Ackerbewirtschaftung, Spatenproben und der Anbau alter Kulturpflanzen waren Thema. Begleitet wurde der Spaziergang von einer Expertin des FiBL sowie einer Vertreterin des Österreichischen Jugendbiodiversitätsnetzwerks.
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Anfänglicher Aufwand
Rund 25 TeilnehmerInnen folgten der Einladung zum Bauernhofspaziergang am Biolindner Hof von Irene Lüdemann und Gerald Lindner. Zum Auftakt stellte Sabine Postlmayr vom Bioverband Erde & Saat das Projekt Farming for Nature vor, das Bäuerinnen und Bauern vor den Vorhang holt, die sich mit besonderem Engagement für Natur und Artenvielfalt einsetzen. Begleitet wurde der Spaziergang diesmal auch von Julia Balasch vom Österreichischen Jugendbiodiversitätsnetzwerk sowie von Theresia Markut, Agroforst-Expertin am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).
Nach einer kurzen Vorstellung des Betriebes und seiner Betriebsgeschichte durch Irene machte sich die Gruppe auf den Weg hinaus zu den Feldern. Erste Station waren die Flächen mit Mehrnutzenhecken, anschließend ging es weiter zu den Agroforstflächen. Die Standortbedingungen am Biolindner Hof sind anspruchsvoll: Sandige Böden und anhaltender Wind führen rasch zu Austrocknung und erhöhen die Gefahr von Erosion, vorteilhaft ist der häufig auftretende Morgentau. Wichtig sind daher Maßnahmen, die den Boden und das Wasser möglichst in der Landschaft halten.
Die Gründe für die Anlage von Mehrnutzenhecken und Agroforstsystemen am Biolindner Hof waren Strukturen zu schaffen, welche den Wind bremsen und die Wasseraufnahmefähigkeit erhöhen. Zudem fördern diese die Artenvielfalt und schaffen wertvolle Lebensräume. Gleichzeitig liefern die gepflanzten Bäume künftig überwiegend Energieholz für die eigene Hackschnitzelheizung. Darüber hinaus verbessern sie das Mikroklima und spenden an heißen Tagen wertvollen Schatten für Boden, Pflanzen und Tiere. Irene und Gerald berichten auch über die Herausforderungen bei der Anlage wie Wildverbiss, Trockenheit, anstehende Arbeiten wie Wurzelerziehung und Theresia Markut vom FiBL bestätigte, Agroforst erfordert in den ersten Jahren einiges an Pflege, sich dieser Aufwand aber langfristig bezahlt macht, wie sie uns auch anhand von Praxisbeispielen aus anderen Ländern zeigt. Mit einem anschaulichen Vergleich brachte sie es schließlich auf den Punkt: „Agroforst sei ein wenig wie Kindererziehung– anfangs brauche es viel Pflege und Aufmerksamkeit, später entwickle sich vieles von selbst.“



Bodenschutz als Grundlage nachhaltiger Landwirtschaft
Entscheidend sei bereits vor der Anlage die Frage, welche Ziele mit dem Agroforstsystem erreicht werden sollen. Je nach Ausgestaltung können Agroforstsysteme den Boden vor Wind und Erosion schützen, durch zusätzlichen Humus die Bodengesundheit verbessern, die Biodiversität fördern sowie das Mikroklima und den Wasserhaushalt positiv beeinflussen. Agroforst dient als Energieholz, kann aber auch zu einer Diversifikation am Betrieb beitragen, wenn Obst geerntet und verarbeitet wird. Auch die Zusammenführung mit Weidesystemen ist denkbar. „Wichtig sei immer, Synergien zu nutzen“ und so lädt Theresia interessierte Betriebe ein sich bei ihr zu melden, das FiBL ist eine wichtige Anlaufstelle und bietet Informationsmaterialien, Bildungsangebote und Austauschmöglichkeiten zwischen Agroforstbetrieben an. Darüber hinaus wickelt die ARGE Agroforst mit „PAN Agroforst-Anbau“ die weltweit erste Zertifizierung für Agroforstsysteme ab, wie uns auch Irene und Gerald berichten.
Während des Spaziergangs wurden zudem zahlreiche weitere Biodiversitätselemente vorgestellt. Feldraine, Altgrasstreifen und strukturreiche Böschungen bieten wertvolle Rückzugsräume für Insekten, Kleinsäuger und viele weitere Pflanzen- und Tierarten. Gleichzeitig fördern sie natürliche Gegenspieler von Schädlingen – etwa Greifvögel, die einen wichtigen Beitrag zur Regulierung der Mäusepopulation leisten. Im Rahmen der Ergebnisorientierten Bewirtschaftung (EBW) legt der Betrieb zudem Lerchenfenster in den Feldern an und schafft damit zusätzliche Brutplätze für die Feldlerche.
In einem Punkt waren sich alle TeilnehmerInnen und BäuerInnen einig: „Wer den Boden schützt, schafft die Grundlage für eine nachhaltige Landwirtschaft.“ Diesen Weg gehen Irene und Gerald bereits seit vielen Jahren. Statt Pflug setzt der Betrieb auf pfluglose Bodenbearbeitung mit Bodenfräse, Mulchsaat, Untersaaten und Zwischenfrüchten. Ziel ist es, Humus aufzubauen, das Bodenleben zu fördern und die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu verbessern. Der Betrieb beteiligt sich am Projekt HUMUS+ und ist Mitglied der HUMUS Bewegung. Gleichzeitig wird laufend Neues ausprobiert – etwa Mischkulturen wie Nackthafer mit Lein oder doppelte Reihenabstände bei Triticale. Die entsprechenden Flächen standen kurz vor der Ernte und konnten gemeinsam begutachtet werden. Ob sich Unterschiede im Ertrag zeigen, wird sich erst nach dem Dreschen herausstellen. Sichtbar war jedoch bereits, dass sich Untersaaten bei den doppelten Reihenabständen deutlich besser entwickeln konnten. Was dies wiederrum für die Folgekultur bedeutet, bleibt spannend abzuwarten. Den eines ist in der Landwirtschaft immer ein Risikofaktor, das Wetter und so bewogen uns die sehnsüchtig erwartete Regenwolke dazu, wieder zurück zur Maschinen- und Lagerhalle zu gehen.



Beim gemütlichen Ausklang mit einer gemeinsamen Jause bot sich noch ausreichend Gelegenheit für persönliche Gespräche und fachlichen Austausch. Besonders großen Anklang fand auch der liebevoll gestaltete Hofladen, den Irene für die Besucher öffnete. Nur die Alpakas zeigten sich an diesem Nachmittag nicht – möglicherweise ein Anlass, wieder einmal vorbeizukommen und mit Irene beim Biolindner Hof eine Alpakawanderung zu machen oder Gerald beim nächsten Trockensteinmauer Kurs zu unterstützen.


