Bauernhofspaziergang bei Michael Halbfurter

30.7.2026, 9:00 bis 12:00 Uhr:

Neue Wege in der Landwirtschaft: Von Hanf bis Greencare

Am Hof von Michael und Karin Halbfurter, Stribacher Strasse 10, 9991 Dölsach

Michael und Karin Halbfurter zeigen beim Bauernhof-Spaziergang, wie sie den Familienbetrieb entgegen den Mainstream erfolgreich neu aufgestellt haben. Auf ihrem Betrieb wachsen neben klassischen Kulturen auch Hanf und Lein, deren Verarbeitung direkt am Hof erfolgt. Zudem hat Michael den Betrieb gemeinsam mit seiner Familie von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umgestellt und neue Angebote im Bereich Green Care aufgebaut.

Beim Rundgang erhalten die Teilnehmer*innen Einblicke in vielfältige Ackerkulturen, Biodiversitätsflächen und Verarbeitungsräumlichkeiten. Gemeinsam sprechen wir darüber, wie neue Wege in der Landwirtschaft entstehen können und welche Chancen darin für Natur und Menschen liegen. Mit dabei ist auch eine Vertreterin des Österreichischen Jugendbiodiversitätsnetzwerks.

 

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Ende Juli 2026 folgten rund 25 Interessierte der Einladung zum Bauernhof-Spaziergang bei Familie Halbfurter nach Döslach. Bei sehr sommerlichen Temperaturen begann die Veranstaltung gemütlich im Garten der Familie, wo unter einem schattigen Apfelbaum Platz genommen wurde.

Nach den Begrüßungsworten stellte Sabine Postlmayr vom Bioverband Erde & Saat das Projekt Farming for Nature vor. Sie betonte, dass das Projekt jene Bäuerinnen und Bauern vor den Vorhang holt, die ihre Betriebe mit Blick auf ökologische und ökonomische Entwicklungen zukunftsfit gestalten und dabei neue Wege gehen. Mit Farming for Nature möchten wir zeigen, wie vielfältig Landwirtschaft sein kann und Menschen sichtbar machen, die mit Mut, Innovation und Herzblut mit der Natur arbeiten“, erklärte Sabine. Unter den Gästen befanden sich auch Lena und Michael vom Österreichischen Jugendbiodiversitätsnetzwerk, das sich intensiv mit dem Thema Biodiversität auseinandersetzt, sowie zwei Vertreterinnen der KLAR!-Region Kötschach-Mauthen, die bereits in einem weiteren Projekt mit Michael zusammenarbeiten.


Mut zum Hinterfragen

Anschließend nahmen Michael und Karin Halbfurter die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit auf eine Reise durch die Geschichte ihres Betriebes – eine Geschichte, die von Mut, Veränderungsbereitschaft und stetiger Weiterentwicklung geprägt ist. Der Hof war ursprünglich ein klassischer Milchviehbetrieb. Michael bewirtschaftete den Betrieb und arbeitete zusätzlich für einen regionalen Lohnunternehmer. Im Jahr 2003 investierte die Familie in einen neuen Milchviehstall – damals noch ohne zu ahnen, wie sich der Betrieb in den folgenden Jahren weiterentwickeln würde.

Karin kam als Quereinsteigerin in die Landwirtschaft. Ursprünglich arbeitete sie als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und lebte unter anderem in Wien, war einige Zeit in Neuseeland und Australien, bevor sie wieder in ihre Heimat zurückkehrte und Michael kennenlernte. Dass sie einmal Landwirtin werden würde, konnte sie sich zunächst nicht vorstellen. Während Michael die Stallarbeit erledigte, die Kühe melkte und die Milch an die Molkerei lieferte, entdeckte Karin zunehmend die Freude am Hofleben und an der Verarbeitung der hofeigenen Milch. Gemeinsam wagten sie den Schritt in die Direktvermarktung und aus den ersten Produkten entwickelte sich nach und nach ein professioneller Betriebszweig mit eigenem Hofladen und zwei Verkaufstagen pro Woche. Die positive Resonanz der Kundinnen und Kunden aus der Region zeigte, dass ihre Arbeit und ihre hochwertigen Produkte geschätzt wurden. Gleichzeitig stellten sie den Betrieb auf biologische Wirtschaftsweise um.

Mit dem Wachstum der Familie – vier Kinder kamen zur Welt – entwickelte sich ein weiterer Schwerpunkt. Karin war die Arbeit mit Menschen immer ein großes Anliegen. Deshalb entstand das Angebot „Schule am Bauernhof“. Besonders in der Zeit, als die eigenen Kinder noch klein waren, war dies eine ideale Möglichkeit, anderen Kindern das Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof näherzubringen. Doch trotz der erfolgreichen Entwicklung stand der Betrieb irgendwann vor großen Herausforderungen. Sinkende Milchpreise, steigender Arbeitsaufwand und immer weniger Freizeit führten dazu, dass sich die beiden entscheidende Fragen stellten: „Macht uns das alles noch Freude? Können wir unseren Betrieb so in eine gute Zukunft führen?“


Mut zur Veränderung

Der Traum eines erfolgreichen Milchviehbetriebes geriet ins Wanken. 2018 fiel schließlich die schwere Entscheidung, sich von der Milchwirtschaft zu verabschieden. Als schließlich die letzte Milchkuh den Hof verließ, begleiteten Michael Ängste und Zweifel. Rückblickend beschreibt er diesen Schritt als einen der schwierigsten seines Lebens. Der Wandel von einem über Generationen aufgebauten Milchviehbetrieb hin zu einem Ackerbaubetrieb war von vielen Diskussionen begleitet – innerhalb der Familie ebenso wie mit Berufskollegen. Immer wieder stand die Frage im Raum: „Ist man überhaupt noch Bauer, wenn man keine Milchkühe mehr hat?“ Den entscheidenden Anstoß für die jetzige Neuausrichtung brachte schließlich ein Nutzhanfprojekt der HTL. Schüler suchten Landwirte, die sich wieder über den Nutzhanfanbau trauten. Michael begann sich intensiv mit der Kulturpflanze auseinanderzusetzen und fasste gemeinsam mit Karin den Entschluss, den Anbau zu probieren. Heute zeigt sich, dass sich dieser mutige Schritt gelohnt hat. Nutzhanf ist zu einer wichtigen Kultur am Betrieb geworden und begeistert Michael und Karin bis heute.


Beim anschließenden Hofrundgang begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst die Orloff- und Seidenhühner, bevor der Kaltstall der Mutterkühe besichtigt wurde. Um den betrieblichen Kreislauf weiterhin zu schließen, werden rund 20 Mutterkühe und zwei Noriker-Pferde gehalten, die alle den Sommer auf der Alm verbringen und daher beim Spaziergang nicht am Hof waren.

Das nächste Highlight war der Besuch der Verarbeitungsräume. Der ehemalige Melkraum wurde funktional umgebaut und wir durften die zahlreichen selbsthergestellten Hanfprodukte verkostet– von ungeschälten und geschälten Hanfsamen über Müslis, Kekse und Hanföl bis hin zu Hanf-Eistee, CBD-Produkten und hochprozentigen Spezialitäten. Karin erklärte dabei die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Hanfs und hob insbesondere die wertvollen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sowie die gesundheitsfördernden und entzündungshemmenden Eigenschaften der Pflanze hervor.

Über den Selbstbedienung-Hofladen führte der Spaziergang schließlich hinaus zu den Acker- und Biodiversitätsflächen des Betriebes. Begleitet wurden wir auch von Alexander Müller vom Verein ProRing Osttirol, der die Bedeutung der vielfältigen Lebensräume für zahlreiche Vogelarten und Bestäuber erläuterte. Direkt am Hanffeld gab Michael allerlei Wissenswertes über den Anbau weiter: Gesät wird erst im Mai, geerntet rund 100 Tage später Anfang bis Mitte September. Angebaut werden ausschließlich zugelassene Sorten mit einem THC-Gehalt von maximal 0,3 %. Ein Nachbau des Saatgutes ist nicht möglich, weshalb jedes Jahr zertifiziertes Originalsaatgut verwendet wird. Michael experimentiert gerne mit unterschiedlichen Sorten – je nachdem, ob Samen oder Fasern im Mittelpunkt stehen. Hanf lockert den Boden, passt gut in die Fruchtfolge, benötigt nur eine mäßige Düngung und die verbleibende Biomasse wird nach der Ernte wieder in den Boden eingearbeitet. Ein alter Mähdrescher wurde umgebaut, dass er für die Erntearbeiten verwendet werden kann.


Mut zum Anderssein

Gerade zu Beginn musste rundherum viel Aufklärungsarbeit geleistet werden und es kam sogar zu Anzeigen, mittlerweile ist der Nutzhanfanbau bei den Halbfurters in der Region jedoch bestens bekannt. „Der Hanf hat unserem Betrieb neue Perspektiven eröffnet. Heute sehe ich in der Pflanze Möglichkeiten, an die ich früher nie gedacht hätte“, erzählt Michael. Auf den Feldern wachsen auch Kartoffeln und weitere Ackerkulturen wie Lein, Hafer, Dinkel, Sonnenblumen oder Leindotter, deren Verarbeitung direkt am Hof erfolgt.

Gleichzeitig entwickelte sich der Betrieb auch im sozialen Bereich weiter. Karin absolvierte zahlreiche Ausbildungen und ist heute Dipl. Lebens- und Sozialberaterin, Supervisiorin und Räucherexpertin. Mit der Green Care-Zertifizierung bietet der Hof nun vielfältige Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an – von Teambuilding bis hin zu Workshops über sozialen Themen wie Mobbing. „Unser Hof soll ein Ort sein, an dem Menschen ankommen, auftanken und erleben können, wie gut Natur, Landwirtschaft und Gemeinschaft zusammenpassen. Frei nach dem Motto: Erden – Lachen – Spüren“, beschreibt Karin ihre Motivation.

Den genussvollen Abschluss bildeten köstliche Ofenkartoffeln, die von den Töchtern der Familie serviert wurden. Dazu gab es eine frische Kräutersauce und ein Glas Milch. Der Bauernhof der Familie Halbfurter zeigt eindrucksvoll, wie viel entstehen kann, wenn Offenheit, Mut und Begeisterung aufeinandertreffen. Mit innovativen Ideen, hochwertigen Produkten und vielfältigen Angeboten entwickelt sich der Betrieb laufend weiter. Während Karin mittlerweile auch Räucherseminare anbietet, tüftelt Michael bereits an neuen Möglichkeiten, künftig auch die Fasern der Hanfpflanze noch besser zu nutzen. Ein Hof, an dem Landwirtschaft, Natur, Gesundheit und Menschen auf inspirierende Weise zusammenfinden.

Wer beim Lesen Appetit auf die vielfältigen Produkte der Familie Halbfurter bekommen hat, aber selbst nicht nach Osttirol kommt, der kann diese auch gerne per E-Mail bei ihnen bestellen und per Post liefern lassen. Ein Besuch auf der Webseite https://www.halbfurter.at/ lohnt sich – dort gibts alle Produkte und weitere Einblicke.