Der Schlüssel für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Das Jahr 2026 hat die Landwirtschaft in beispiellosem Ausmaß gefordert und gezeigt, dass die Klimakrise längst kein fernes Zukunftsszenario mehr ist. Extreme Trockenheit, Hitze und andere Extremwetterereignisse stellen Bäuerinnen und Bauern vor die Frage, wie Landwirtschaft unter zunehmend unvorhersehbaren Produktionsbedingungen funktionieren kann. Die "Farming for Nature" Bauern und Bäuerinnen liefern drei konkrete Strategien.
Natur als Inspiration
Für Gemüsebäuerin Silvia Fruhmann ist die Natur nicht nur Produktionsgrundlage, sondern auch Inspirationsquelle. Bei rund 50 Prozent weniger Niederschlag auf ihrem Betrieb im Mittelburgenland und ohne Brunnen am Acker ist gutes Wassermanagement für sie besonders wichtig. Auf der Suche nach Maßnahmen, um den Boden zu schützen, orientierte sie sich an einem Prinzip, das der Wald seit Jahrtausenden beherrscht: den Boden immer bedeckt lassen. Eine Mulchschicht aus Klee und Luzerne schützt den Boden auf ihren Gemüsefeldern vor direkter Sonneneinstrahlung, reduziert die Verdunstung und schafft so Bedingungen, bei denen Mikroorganismen und anderes Bodenleben geschützt werden. Und warum sie ihre Gemüsepflanzen mit selbst hergestellten Tees versorgt, erzählte sie kürzlich Chris Cummins in der FM4 Morning Show.
Lebensräume wiederherstellen
Im Waldviertel hat Ackerbäuerin Irene Lüdemann mit Agroforst ein multifunktionales System gefunden, das ihren Betrieb resilienter gegen Extremwetter macht und nebenbei Lebensräume schafft. Die Bäume und Mehrnutzungshecken, die die Getreideacker durchziehen, bremsen Wind, schützen vor Erosion, helfen Wasser im Boden zu halten und sorgen durch die Verdunstungsleistung der Laubblätter für einen angenehmen Kühleffekt. Langfristig bewirkt das eine Ertragssteigerung auf den angrenzenden Feldern und bringt zusätzliche Produkte aus den Agroforststreifen wie z.B. Brennholz oder Nüsse, berichtete Irene in der ZIB2. Gleichzeitig finden Vögel, Insekten und Kleintiere Unterschlupf und Nahrung in den Gehölzstrukturen, was eine Erhöhung der Biodiversität bewirkt.
Vielfalt als Absicherung
Eine große Vielfalt an angebauten Feldfrüchten und ein gesunder Boden stehen für Ackerbauer Michael Halbfurter im Mittelpunkt der Bewirtschaftung seines Betriebs in Osttirol. Seine Offenheit für neue Kulturen brachte vor einigen Jahren den Blickfänger Nutzhanf auf den Hof. Durch seine bodenlockernden Eigenschaften und seine Fähigkeit, Unkraut zu unterdrücken, ist Hanf mittlerweile ein fester Bestandteil der Fruchtfolge. Vielfalt im Anbau verteilt das Risiko von Totalausfällen und trägt gleichzeitig zur Bodenfruchtbarkeit bei. Wie ein landwirtschaftlicher Betrieb durch soziale Angebote ein zusätzliches Standbein schaffen kann und welche vielfältigen Möglichkeiten die Verarbeitung von Hanf bietet, zeigte Michael zusammen mit seiner Frau Karin kürzlich in einer „Land und Leute“-Reportage auf ORF 2.
Ein neues Leitbild
Wie sieht also die Landwirtschaft von morgen aus? Ein Einheitsrezept gibt es nicht. Die hier vorgestellten Beispiele und das große mediale Interesse an den "Farming for Nature"-Bäuerinnen und -Bauern in diesem Jahr der Extreme verdeutlichen jedoch, dass naturorientierte Lösungen längst über Nischen und Einzelinitiativen hinausgehen und im Zentrum der Diskussion darüber angekommen sind, wie wir Landwirtschaft an die Klima- und Biodiversitätskrise anpassen können. Die dem oft erwiderte Gegenüberstellung von Naturschutz und Wirtschaftlichkeit wird den vielen Betrieben nicht gerecht, die zeigen, dass beides erfolgreich zusammengebracht werden kann. So etwa Ziegenbäuerin Carmen Petutschnig-Erschen, die auf ihrem 100-Hektar-Vollerwerbsbetrieb der Natur gezielt Raum gibt oder Rinderbauer Alois Kiegerl, der mit seinem „essbaren Naturschutz“ ein kluges Vermarktungskonzept entwickelt hat, das die Leistungen landwirtschaftlicher Bewirtschaftung für den Naturschutz sichtbar und nutzbar macht. Statt zwei Seiten gegeneinander auszuspielen, sollte es viel mehr darum gehen, bestehende Lösungen weiterauszubauen und mit einem klaren Bekenntnis an langfristigen Anpassungsstraegien zu arbeiten.





